Grindwal-Treibjagd Färöer

Grindwale

Waljagd auf den Färöer Inseln

Seit Jahrhunderten werden Grindwale getötet, wenn sie vor den Küsten der Färöer-Inseln ihre Jungen gebären. Früher diente die Jagd den Menschen zum Überleben. Doch heute geht es nur noch um Spektakel und Adrenalin.

Dass Wale während Geburt und Aufzucht der Jungtiere nicht verfolgt werden, ist ein Grundsatz im Artenschutz. Entsprechend hat die Int. Walfangkommission (IWC) über das weltweite Verbot kommerzieller Waljagd hinaus ein Jagdverbot auf Muttertiere erlassen. Grindwale sind zudem durch die europäische Gesetzgebung explizit vor Bejagung geschützt. All das kümmert die Bewohner der Färöer-Inseln wenig.

Wenn Grindwale um die Inseln gesichtet werden, stechen die Waljäger in See. Sie schalten auf ihren Booten das dröhnende Unterwassersonar ein und treiben in stundenlanger Hetzjagd ganze Walfamilien ans Ufer. In der Bucht rammen sie den Tieren einen Haken ins Blasloch, ziehen sie ans Land und durchtrennen mit einem Jagdmesser das Rückgrat. Fleisch und Fett der erlegten Tiere werden unter den Einwohnern verteilt – obwohl die Färöer Gesundheitsbehörde vom Verzehr abrät.

Giftige „Delikatesse“

Seit 1998 untersucht OceanCare die Schadstoffkonzentrationen in Walfleisch. Die Resultate sind derart extrem, dass das Fleisch als Sondermüll gelten müsste. Ein Beispiel: Der WHO-Grenzwert für Quecksilber liegt bei 0.1 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht. Ein Gramm Grindwal-Fleisch enthält davon im Schnitt 2 Mikrogramm. Ein Mensch von 70 Kilo dürfte also pro Tag gerade einmal 3.5 Gramm Walfleisch essen. 2010 wurden auf den Färöer Inseln aber 540 Tonnen Walfleisch angelandet – rund 11 Kilo für jeden Inselbewohner!

Waljagd 2013 besonders dramatisch

Während bis Mitte Juli überhaupt keine Treibjagd stattfand, ging es danach umso heftiger zur Sache. Nach der ersten Grindwaljagd am 22. Juli mit 125 erlegten Tieren, kam es am 30. Juli zum grössten «Grindadráp» seit acht Jahren. 267 Grindwale wurden von lokalen Bewohnern und hinzugeeilten Helfer in die Bucht von Fuglafjørður getrieben und getötet.

Der grosse Unglückstag aber war der 13. August 2013. 135 der bis zu sechs Meter langen Zahnwale lagen erlegt in einer kleinen Bucht beim Fischerdorf Húsavik. Und bis zum Abend desselben Tages töteten Bewohner der Insel Suðuroy 430 atlantische Weissseitendelphine. 565 Delphine (Grindwale gehören zu den Delphinen), abgeschlachtet an einem einzigen Tag – das ist seit 19 Jahren nicht mehr vorgekommen. Dazu starben bei drei weiteren Treibjagden rund 180 Grindwale. So sind auf den Färöern dieses Jahr bereits jetzt 1136 Delphine getötet worden – so viele wie seit 2006 nicht mehr.

Kritische Stimmen werden lauter

OceanCare interveniert gegen diese brutale und gefährliche Jagd in internationalen Konferenzen sowie bei Regierungsvertretern der Färöer-Inseln und bringt den Skandal an die Öffentlichkeit. Vor Ort unterstützen wir einheimische Walfanggegner, die die färöische Bevölkerung zum Umdenken bewegen. Allmählich mehren sich vor allem unter den Einheimischen der jüngeren Generation die kritischen Stimmen.

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